Die nun folgende Bilderserie über die "la costa" umfaßt nur die Gegend, beginnend von Velia bis zum Capo Palinuro. Nicht etwa, weil die restlichen Küstenstreifen, westlich und östlich davon, weniger eindrucksvoll waren, sondern einfach deswegen, weil uns die Zeit fehlte, diese zu erkunden. Wir alle hoffen, dass wir in den nächsten Jahren, vielleicht auch zu einer späteren Jahreszeit, noch einmal das Glück haben werden, eine der wunderbarsten Gegenden Süditaliens zu besuchen.

Elea / Velia

Die immer noch andauernden Ausgrabungen sind zwar nicht vergleichbar mit der antiken Pracht von Paestum, doch einen Besuch sind sie unbedingt wert. Vermutlich zeigen sie auch bis heute erst etwa 15% der insgesamt noch ans Tageslicht zu befördernden Fundstücke früherer Kulturen.

Im 6.Jh. vor unserer Zeitrechnung erreichte die Ausdehnung Großgriechenlands auch Süditalien. Überall waren griechische Ansiedlungen entstanden, so auch Velia - auf griechisch Elea - um 540 v. Chr. Neben dem bedeutenden Poseidonia (später Paestum) hatte sich Elea bereits um 500 v.Chr. als geistiges Zentrum des Griechentums etabliert.

Nach Cäsars Ermordung 44 v. Chr. soll übrigens auch dessen Mörder Brutus sich hier auf der Flucht versteckt haben.

Wegen seiner ersten Philosophenschule auf europäischem Boden, die sich übrigens nicht auf Hellas, sondern in Kleinasien befand, war Elea viele Jahrhunderte lang der Ort der Eleatischen Schule.

  
Einige Kilometer, von unserem Urlaubsort entfernt lag Ascea Marina. Ein etwas zersiedelter, fast ausschließlich touristischer Badeort am lang gezogenen Badestrand. Der schönste Strandabschnitt ist das letzte, flache Stück, kurz bevor die Felsen wieder aus dem Meer steigen.
Es mag zwar ein anderes Meer gewesen sein, in welches Horaz und Cicero zu ihrer Zeit eintauchten - kristallklar ist das Wasser aber immer noch.
  
Wir fahren die Küstenstraße, vorbei an Ascea Marina, Richtung Süden nach Pisciotta. Die Küstenstraße steigt hier wieder an und der atemberaubenste Teil der Cilentoküste beginnt.
Verwegen und steil in den Berg gebaut, scheinen sich die Häuser von Pisciotta gegenseitig nach oben zu schieben. Als normannische Gründung wurde der Ort an dieser strategisch guten Stelle mit dem atemberaubenden Rundumblick 1140 zum ersten Mal erwähnt. Die Bauern um Pisciotta sind berühmt für ihr Olivenöl, das ganz besonders herzhaft ist. Schon vor mehr als vier Jahrtausenden erließ Hammurabi VII., König von Babylonien, Vorschriften zur Züchtung, zum Handel und zur Produktionskontrolle. In den Cilento kamen sie - wie so vieles - mit den Griechen acht Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung und fanden hier ideale Bedingungen.

Überall in Italien, wie auch hier, wird an Ferragosto auf den Straßen gefeiert. Unzählige Marktstände werden auf den Gehsteigen und Straßen aufgebaut, ein Durchkommen für die Autos - undenkbar!

Ganz interessant, mit Zitronen gespickte Schweineohren. Eine Spezialität, wie sie nur die Einheimischen kennen und - wahrscheinlich auch lieben ...

  
Schon von Weitem sieht man das Wahrzeichen des berühmtesten Badeorts dieser Küste, das legendäre Capo Palinuro.
Der Steuermann des Äneas, ein gewisser Palinuro, soll hier über Bord gegangen und ertrunken sein - angelockt vom Gesang verführerischer Sirenen.
Das berichtet zumindest Vergil. Vielleicht ist dieser Palinuro aber auch nur in einem Sturm in die raue See gefallen - immerhin bedeuteten solche Landzungen in damaliger Zeit ein gefährliches Hindernis.
Weit ragt diese Halbinsel noch heute ins Meer hinein. Ihre nördliche Flanke ist bebaut, auf der Südseite ist die Küste steiler und bildet kleine Buchten. Die zahlreichen Grotten und Höhlen sind zwar nicht sensationell, aber die launigen Geschichten der einheimischen Fischer machen solche Fahrten zum unvergesslichen Erlebnis.

Von der Südseite des Kaps sieht man den berühmten Arco Naturale, den natürlich entstandenen Felstorbogen, wohl der wildeste Küstenabschnitt des Cilento - wir selbst kennen in Italien wohl nur noch den (un)vergleichlich schönen Capo Vaticano in Kalabrien oder die Grotten von Vieste in Appulien (Gargano) ...


Auf diesen zwei Fotos sehen wir den Finistra Palinuro. Wer ganz genau hinschaut, sieht durch das Loch den Leuchtturm vom Capo Palinuro !
Eines der bekanntesten Fotomotive des Cilento!
Wie auch so viele andere ganz tollen Fotos in diesem Reisebericht stammen diese aus der Kamera von Barbara und Matthias. Selbiger hat mir echt glaubhaft versichert, dass trotz mehrfacher Aufforderung seinerseits, die Badegäste für dieses Foto einfach nicht aus dem Bild zur Seite gingen..
     

Diese Seite schließen wir mit der Erinnerung an wunderschöne Sonnenuntergänge, welche sich nicht annähernd in Bilder fassen lassen!

Wir nehmen einen Schluck Limoncello, schließen die Augen und erinnern uns an einen wiederum unvergesslichen Italienurlaub zurück.

 

Wie schon erwähnt, alle blau umrandeten Bilder verdanken wir Barbara Schlesies ... 
mille Grazie!