aus Goethe, italienische Reise, 23.03.1787 (im Vorwort zum Kapitel Paestum, Capaccio und die Ebene des Sele)
Beim frühen Morgen fuhren wir auf ungebahnten, oft morastigen Wegen einem Paar schön geformten Bergen zu, wir kamen durch Bach und Gewässer, wo wir den nilpferdischen Büffeln in die blutroten wilden Augen sahen.
   
                 ... aber sei es genug, denn man muß weder zu viel sehen noch zu viel erzählen.

Gregorovius, Wanderjahre in Italien

    
Paestum hieß ursprünglich Poseidonia und wurde in der ersten Hälfte des 7. Jh. v. Chr. von griechischen Siedlern aus dem legendären Sybaris gegründet. Zu Ehren des Meeresgottes Poseidon (röm. Neptun) nannten sie ihre Stadt Poseidonia und errichteten ihm einen ca. 60 x 25 m großen Tempel. Dank des fruchtbaren Schwemmlands entwickelte sich die Griechenkolonie zu einem bedeutenden landwirtschaftlichen Zentrum mit eigenem Hafen. Um 400 v. Chr. eroberten Lukaner aus der heutigen Basilikata die Griechensiedlung, adaptierten das griechische Kulturgut jedoch weitgehend. 273 v. Chr. geriet die Kolonie unter römische Herrschaft und erhielt als Municipium den Namen Paestum. Mit dem Untergang des Römerreichs verarmte Paestum, und eine Malariaseuche dezimierte die Bevölkerung. Im frühen Mittelalter lebte hier eine kleine Christengemeinde, die den griechischen Cerestempel in eine Kirche umwandelte, und später vermutlich eine frühchristliche Basilika - die heutige Pfarrkirche von Paestum - errichtete. Im 9. Jh. plünderten Sarazenen die Stadt und vertrieben die Bevölkerung in die Berge. In der Folgezeit verschwand Paestum buchstäblich im Sumpf, und selbst die Erinnerung an seine Lage ging verloren. Einen besseren Schutz für die Tempelbauten hätte es nicht geben können. Rein zufällig, beim Bau der Küstenstraße, wurde die antike Siedlung wieder entdeckt, und unter den Bourbonen begann die systematische Ausgrabung, die sich als einer der wichtigsten Beiträge der Erforschung des Griechentums in Italien bewies.
    

Paestum ist von einem fast vollständigen Mauerring umgeben, dessen gesamter Umfang etwa 4750 m beträgt und dem Verlauf der Travertinbank folgt, auf der sich die Stadt erstreckt. Er besteht aus einem mit großen viereckigen Blöcken doppelschaligen Mauerwerk, das mit Erde gefüllt ist 
(Bild links).

Der Neptuntempel ist der besterhaltene Tempelbau der Magna Graecia, der zu uns gelangt ist. Man hat ihn so genannt, da man annahm, dass der großartigste Tempel der Stadt der Gottheit gewidmet war, von der sie ihren Namen herleitete, das heißt Poseidon (griech.) = Neptun (röm.)

(Bilder rechts)

 

Tempel oder Basilica?

Das große dorische Heiligtum zu Ehren der Göttin Hera ist der älteste Tempel von Paestum. Die fälschliche Bezeichnung Basilica, wie sie noch heute allgemein heißt, kam im 18. Jh. auf, zum Zeitpunkt der Entdeckung des Monuments, als die Gelehrten sich aufgrund der fehlenden Frontons zu der Annahme berechtigt fühlten, es handelte sich um ein öffentliches Gebäude, in dem Versammlungen abgehalten wurden. (Bild unten)

Frau in Paestum, um die Zeit 5. - 3. Jh. v. Chr.

Cerestempel

Im Norden der Stadt erhebt sich das im allgemeinen Cerestempel genannte Heiligtum.
Der Tempel, den die Archäologen des 18. Jh. Ceres zugeordnet haben, war in Wirklichkeit Athena geweiht, wie die zahlreichen Statuetten der in Kriegsrüstung (Helm, Ägis, Schild und ein Umhang, der Schultern und Rumpf bedeckt) dargestellten Göttin beweisen (Bild unten).

Basilika - Hera-Tempel
Sebastian und Andreas am Rande der Via Sacra auf einer Mauer der für ein Gymnasium gedeuteten Gebäuderesten.

(Bild rechts und links)

An der Nordseite der Ladenzeile ist das Comitium eingeschoben. Das Comitium ist ein Rundbau mit Treppenstufen, die auf einer künstlichen Aufschüttung ruhen. Die Ausgrabungen haben bewiesen, dass das Comitium unmittelbar nach dem Jahr 273 v. Chr. von der ersten Generation der latinischen Kolonen in Paestum erbaut wurde, um dort die Bürgerversammlungen für die Wahl der Magistraturen abzuhaltgen. Im 9. Jh. plünderten Sarazenen die Stadt und vertrieben die Bevölkerung in die Berge. In der Folgezeit verschwand Paestum buchstäblich im Sumpf, und selbst die Erinnerung an seine Lage ging verloren. Rein zufällig, beim Bau der Küstenstraße, wurde die antike Siedlung wieder entdeckt, dann begann die systematische Ausgrabung, die sich als einer der wichtigsten Beiträge zur Erforschung des Griechentums in Italien erwies.
   
Das bedeutenste Beispiel der bemalten Gräber des 4. Jahrhunderts vor Christus!

Die Tomba del Tuffatore wurde am 13. Juni 1968 entdeckt. Bemalte Gräber waren in der griechischen Welt unbekannt, in diesem Sinne stellt die Tomba del Tuffatore ein Unikum dar.

Tomba del Tuffatore

Auf der Platte, die den Toten zudeckt, ist ein nackter Taucher dargestellt, der in ein Wasser springt. Die Szene hat symbolischen Charakter, insofern als der Sprung den Übergang vom Leben zum Tod darstellt.