Kalabrien ist Spitze!
Das Stiefelende Italiens steckt voller Überraschungen !

" ... als der Tag von Kalabrien kam hatte Gott in der Hand 15000 qkm von grünem Ton mit violettem Abglanz ... Er wollte, dass das Meer immer violett sei, die Rose im Dezember blühe, der Himmel klar, das Land fruchtbar, die Ernte reichhaltig, das Wasser reichlich, das Klima mild und der Duft der Kräuter berauschend sei"

Leonida Rèpaci

Geografisch  betrachtet, mag Kalabrien das "Ende" Italiens sein, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass der Ursprung des Begriffs Italien in Kalabrien liegt. Die antiken Griechen nannten das heutige Kalabrien in Erinnerung an den mythischen Italos, einen Enkel des Odysseus und König am Golf von Squillace, "ITALIA", und erst während byzantinischer Herrschaft wurde die Bezeichnung "Calabria" von der salentinischen Halbinsel in Apulien, der sie ursprünglich angehörte, auf die Stiefelspitze übertragen.
Zwei gegensätzliche Küsten prägen die weit nach Süden vorgestreckte Stiefelspitze. Die offenen, weit gespannten, flachen und einladenden Strände am ionischen Meer weisen nach Griechenland. Im Westen treten die Gebirge bis nahe ans Tyrrhenische Meer heran und stemmen sich mit Steilküsten, zauberhaften Buchen und vorgelagerten Inseln Wind und Wellen entgegen. Kalabrien ist aber vornehmlich ein Hügel- und Gebirgsland; lediglich neun Prozent sind Ebenen, der Rest ist mehr oder kaum weniger Gebirge mit Gipfeln von mehr als 2200 m - doch kein Ort liegt mehr als 50 km vom Meer entfernt.

Unsere Urlaubsreise 2002 begann am 27. August in Morano Calabro. Die kleine, von Christina und Rocco familiär geführte Pension "la Panoramica" war der Ausgangspunkt diverser Ausflüge in ein bislang wenig bekanntes Italien ...

Mit einem grandiosen Ausblick auf eine der schönsten Städte Kalabriens - Morano Calabro - lag unsere Pension La Panoramica. Herzliche Gastfreundschaft, schöne Zimmer - trotz bescheidenem Wetter immer gut gelaunt für diverse Ausflüge ...

Unsere Pension in Morano Calabro

Einfaches Trocknen der Feigen

Morano Calabro

Niemand wird Morano Calabro die Rolle, unter den schönsten Orten Kalabriens einer der schönsten zu sein, ernsthaft streitig machen. Einen der besten Blicke auf das Städtchen, die  Berge des Pollino im Hintergrunde, hat man von der Pension La Panoramica. Die intakte Anlage des mittelalterlichen Ortes, dessen Häuser sich pyramidenförmig den Hang hochziehen, lädt zu ausgedehnten Streifzügen ein. Der Ort soll bereits 317 v. Chr. von den Römern eingenommen und wegen seiner strategisch wichtigen Position Station der Via Popilia geworden sein.

Blick auf Moroano Calabro

Nationalpark Monte Pollino

Das Pollino-Gebirge erstreckt sich von der Basilikata bis nach Kalabrien, so dass der Besucher ohne es zu merken von einer Region in die andere wandert. Der Parco Nazionale del Pollino hat insgesamt eine Ausdehnung von 192.565 ha. Der kalabresische Teil wird im Norden begrenzt von dem höchsten Gipfel des Pollino, dem Serra Dolcedorme mit 2267 m Höhe. Im Osten des Nationalparks liegt Cerchiare di Calabrie mit seinen Thermalquellen in der Grotte delle Ninfe, welche wir natürlich besuchten und nicht schlecht staunten.

Blick auf Cerchiara di Calabria, rechts eine Schlucht
Cerchiara di Calabria

Cerchiara di Calabria, die Grotta delle Ninfe
und S. Maria delle Armi

Eine großartige, von tiefen Schluchten durchzogene Landschaft, Grotten, denen Thermalwasser entströmt, ein Heiligtum und Wanderwege in luftiger Höhe. Gründe genug also, dem kleinen Ort an den östlichen Ausläufern des Pollino einen Besuch abzustatten. Die warmen Quellen der Grotta delle Ninfe wurden bereits von den vergnügungssüchtigen Griechen aus Sybaris aufgesucht.

Die Befreiung vom Schwefelschlamm
vom "Schlamm" befreit !

Ganz in grau ... Die Luft, eigentlich viel zu schwefelhaltig um zu atmen, Menschen die sich wie Kinder mit Schlamm besudeln und denen der Trocknungsvorgang in der prallen Sonne scheinbar Wohlbefinden verschafft - ein mir vollkommen unerklärliches Ritual - gut dass es sonst noch einiges zu sehen gab ;-)

Ristoro Al Santuario
die kleine Bar in der Einsiedelei S. Maria delle Armi

In einer mit viel Liebe eingerichteten kleinen Bar direkt in der Einsiedelei serviert der freundliche Senior gute Antipasti und Bruschette. Unbedingt probieren muss man die geschmorten Innereien eines Caprettino (Zicklein) - zwar nicht jedermanns Sache, aber vorzüglich.

die Kirche S. Maria delle Armi
S. Maria delle Armi

S. Maria delle Armi

Der in 1015 m an den Hängen des Monte Sellaro erbaute Komplex schmiegt sich eng an die Felswand. Die Kirche wurde im 15. Jh. um eine basilianische Grotte herum errichtet und später zum Konvent erweitert. An die Gunst der Familie Pignatelli, die für die Restaurierung der Kirche im 17. Jh. sorgte, erinnert deren Familienkapelle. Das in einen dunklen Stein eingravierte Bild in der Marienkapelle gedenkt der Madonna delle Armi. Einer Legende nach entstand das Bild, als zwei Bauern bei den Bauarbeiten einen aus dem Boden herausragenden Felsbrocken entzwei schlugen.

Altar in der Familienkapelle
Altar in der Marienkapelle


Ausflug zur Grotta del Romito

Abstieg zur Grotta del Romito
Abstieg zur Grotta

Leider versagte mir  meine Kamera hier ihren Dienst.

Wir fuhren weiter in Richtung tyrrhenisches Meer nach Maierá.

Brücke über den Fluß Lao

Etwa 12 km talabwärts, Richtung tyrrenisches Meer, liegt der Ort Papasidero, einem kleinen Ort byzantinischen Ursprungs, direkt am Ufer des Lao. Etwas südlich davon führt diese Brücke  über die grandiose Schlucht des Lao. 
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Skelett (Kopie) der Frau mit Kind

In der Grotta del Romito wurden die Skelette einer Frau und eines Kindes gefunden. Die Ausgrabungsstätte befindet sich unter freiem Himmel, deshalb sind hier nur Kopien zu sehen, die Originale befinden sich im Nationalmuseum von Reggio. Das wohl bedeutenste Zeugnis ist das Graffiti des bos primigenius (wörtl. der aller erste Stier, 10800 v. Chr.)

Unsere Zugfahrt durch die Sila Grande:
Die Tage im Norden Kalabriens waren nun gezählt und so führte uns unsere Reise in Richtung Süden. Von Cosenza aus lockte uns eine romantische Eisenbahnstrecke in die Höhen der Sila Grande. Wir planten unseren Start mit der Dampflokomotive in Camigliatello 
(1278 m ü.d.M.) via Fermata Righio nach San Giovanni und wieder zurück. Das diese Reise zu einem unvergeßlichen Abenteuer wurde, kann nur mündlich weitergegeben werden, dass wir aber tatsächlich mit diesem Zug unterwegs waren, davon bezeugen unsere Bilder . . .
Sebastian und Andreas von der alten Dampflokomotive Eine alte Dampflok wie wir sie uns vorgestellt haben. Richtig dampfend, rauchend und pfeiffend fuhren wir über die Schmalspur nach Osten in die Sila. Lokführer, Heizer, Schaffner und es geht bergab Richtung Camigliatello in der Sila Grande auch Bremser, so an die sechs rußverschmierte Männer waren von nöten, um diesen kleinen Zug über die Strecke zu bewegen. Interessant war die Kommunikation unter den Männern mittels Sebastian auf dem Führerstand
der Pfeiffensignale der Lokomotive. Ähnliches kannten wir bislang nur aus Indien.  Unser Ziel, einer Zugfahrt mit dieser Dampflok, hatten wir zweifellos erreicht und bleibt in mehr fester wie bester Erinnerung (Verlasse dich nicht allzu sehr auf die kompetente Erscheinung eines Reiseführers !)